Quo Vadis WordPress: werden Builder Themes durch Gutenberg sterben?

Wordpress Gutenberg
Bild von Willi Heidelbach auf Pixabay

Johannes Gutenberg hatte um 1450 viel Gegenwind. Trotzdem revolutionierte er den Buchdruck. Auch der neue Gutenberg Editor für WordPress hat viele Gegner. Eine große Anzahl Nutzer wollte verhindern, dass er zum Standard in WordPress 5.0 wird und den Classic-Editor ablöst, der inzwischen nur per Plugin reaktiviert werden kann.

Trotz aller Widerstände ist Gutenberg mit der neuen WordPress Version zum Standard-Editor geworden. Warum wurde der Tausch gegen die Mehrzahl der Nutzer durchgeführt? Ist der Editor tatsächlich der Beginn einer technischen Revolution?

Was steckt hinter Gutenberg?

„We called it Gutenberg for a reason“, schreibt WordPress-Erfinder Matt Mullenweg bereits im Sommer 2017. Gutenberg war von Anfang an nicht als simpler Editor konzipiert, soviel wurde schon mit dieser Ankündigung klar. Was in der aktuellen WordPress Version veröffentlicht wurde, ist nur ein Vorgeschmack. Die 400 Entwickler, die hinter dem gigantischen Projekt stecken, haben Größeres im Sinn. Gutenberg ist die wichtigste Veränderung, die WordPress in seiner 15-jährigen Geschichte erfahren hat.

Wer den neuen Gutenberg-Editor in Artikeln und für die Erstellung neuer Seiten verwendet, wird neben vielen kleinen Problemen bemerken, wie einfach mehrspaltige Layouts und komplexe Inhalte direkt in WordPress realisiert werden können. Zusätzliche Plugins wie Divi, Elementor und Beaver Builder sind für Responsive Layouts in Artikeln und Seiten nicht mehr notwendig.

So nutzt man den neuen Gutenberg Editor

In WordPress Version 5 ist Gutenberg als Standard-Editor aktiviert. Die ersten Schritte sind unspektakulär. Einfach drauflos schreiben ist die Devise. Über das Plus-Symbol können alle weiteren Standard-Blöcke verwendet werden, die Gutenberg ohne weitere Plugins mitbringt. Dazu gehören Bilder, Galerien, mehrspaltige Grids und alle erdenklichen Einbettungen von Youtube bis Vimeo.

Wer den Editor täglich nutzt, wird sich über die vielen Komfortfunktionen freuen. Anstelle des Plus-Symbols können auch Tastatur-Shortcuts verwendet werden. Die Geschwindigkeit mit der Artikel und komplexe Seitenlayouts erstellt werden können, ist bereits heute mit keinem anderen Page-Builder vergleichbar.

Gutenberg entwickelt sich in rasantem Tempo

Die Entwicklung des Gutenberg Editors ist atemberaubend. Die Entscheidung den Editor in WordPress fest zu integrieren wurde von der WordPress Community heftig kritisiert. Den Erfolg von Gutenberg kann das nicht aufhalten. Bereits wenige Monate nach Erscheinen von WordPress 5.0 gibt es über 400 Plugins, die den neuen Editor um weitere Inhalte, Einstellungen und Effekte erweitern. Unter den neuen Content-Blöcken befinden sich Slider, Galerien, Grid-Systeme und Animationen. Viele dieser Funktionen waren bisher nur in kostenpflichtigen Builder-Plugins zu finden.

Das beliebte Entwickler-Plugin Advanced Custom Fields hat in einer Beta-Phase bereits erweiterte Funktionen zum Test freigegeben. In Kürze soll die Kombination aus ACF und Gutenberg individuelle WordPress-Entwicklung ganz ohne PHP-Programmierung ermöglichen. Einfach in ACF neue Felder anlegen und als Blöcke direkt in Gutenberg verwenden. WordPress erweitern, ohne eine einzige Zeile PHP programmieren zu müssen. Das ist definitiv revolutionär.

Die Zukunft von Gutenberg

Doch damit hat die Revolution erst begonnen. Was wenige Kritiker von Gutenberg vermutet hätten. Der neue Editor ist bereits weit über die Grenzen von WordPress hinaus erfolgreich. In den wenigen Monaten seit dem Erscheinen von WordPress 5.0 wurde Gutenberg auch für das Enterprise-CMS Drupal, für das PHP-Framework Laravel, für JavaScript-basierte Lösungen wie React und für OctoberCMS veröffentlicht. Mit der Gutenbergcloud möchten die Entwickler die Blöcke für eine Vielzahl weiterer Content Management Systeme verfügbar machen. Fertige Inhaltselemente für eine Vielzahl von Plattformen gleichzeitig zu entwickeln war bisher ein Traum. Mit Gutenberg könnte er Wirklichkeit werden. Mit der Newspack-Plattform, hinter der niemand geringeres als Google steckt, wird in Kürze auch ein weiterer wichtiger Nutzer der Gutenberg-Technologie an den Start gehen.

Vor wenigen Tagen hat Automattic, das Unternehmen hinter WordPress.com, ein weiteres Gutenberg-Plugin zum Beta-Test veröffentlicht. Mit Full Site Editing kann der nächste große Schritt für den Gutenberg Editor bereits getestet werden. Das mittelfristige Ziel der WordPress-Entwickler: Gutenberg wird auch im Header, Footer und Seitentemplates verfügbar gemacht. Ist dieser Schritt vollzogen, wird aus dem Editor ein kompletter Page-Builder, der durch seine Verbreitung die verfügbaren Inhaltselemente aller anderen Plugins verdrängen wird.

Der langsame Tod von Website-Buildern

Werden Page-Builder wie Divi, Elementor und Beaver Builder tatsächlich verschwinden? Während viele Nutzer Gutenberg noch immer keine Chance einräumen, ist der langsame Tod vieler kostenpflichtiger Plugins vorprogrammiert. Ein Page-Builder, der nicht mit Gutenberg kompatibel ist, wird bereits in wenigen Monaten nicht mehr benötigt.

Wer den Schritt zurück zum WordPress-Standard versucht hat, wird schnell bemerken, dass der von Divi generierte Code nicht ohne massive manuelle Korrekturen weiterverwendet werden kann. Da mit Gutenberg auch die guten alten Shortcodes ausgedient haben, trifft dieses Problem auf viele Plugins zu, die sich nicht an WordPress Standards halten. Die Entscheidung zu wechseln macht diese Tatsache nicht einfacher, aber je länger man wartet, desto schwieriger könnte der Umstieg werden.

Unser Fazit

Den Gutenberg Editor in der aktuellen WordPress-Version als Standard zu etablieren war eine mutige Entscheidung. Viele Nutzer haben wenig Verständnis für diesen Schritt. Einige kehren WordPress bereits den Rücken. Wer zu Drupal oder OctoberCMS gewechselt ist, wird dem Gutenberg Editor nicht auf lange Sicht entkommen. Der Fortschritt macht vor keiner Plattform halt. Gutenberg ist nicht nur für WordPress ein notwendiger Fortschritt. In diesem Punkt sind sich die Entwickler der verschiedensten Plattformen von Contao bis TYPO3 einig.

Ob man als Redakteur mit Gutenberg arbeiten möchte, kann man heute noch frei entscheiden. Wer als Entwickler glaubt, diesen Fortschritt aufhalten zu können, wird spätestens 2022 aussortiert. Dann wird WordPress ohne Gutenberg nicht mehr funktionieren.

Wie seht ihr das? Arbeitest du bereits mit dem Gutenberg Editor oder nutzt du weiterhin erstmal den Classic Editor?


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